städtebaulicher Wettbewerb
Auslobung Stadt Leipzig
zusammen mit ARS Roberto Scarsato
Entwurfsidee
Der facettenreiche Ort, der bedingt durch seine DDR- und Stasi-Vergangenheit lange nicht zugänglich war, soll unter Wahrung seiner vielfältigen Zeitschichten wieder geöffnet und für die Stadt erschlossen werden. Aus dem ehemaligen Areal staatlicher Repression soll ein „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ entstehen. Es geht dabei nicht darum, Spuren der Vergangenheit zu beseitigen, sondern den Bestand aufzunehmen und zu einem zentralen Ort der gelebten Demokratie zu entwickeln.
Neue Wegeverbindungen und Plätze ermöglichen eine Verzahnung mit den umgebenden Bereichen und Quartieren der Stadt. Die fließende Verbindung von Straßen und Gassen erzeugt einen öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität, der zum Verweilen und zur Begegnung einladen soll.
Städtebau
Unter Einbeziehung des Bestandes wird das Planungsgebiet zu einer vielfältigen und komplexen städtebaulichen Figur entwickelt. Der nördliche Bereich folgt dabei der Charakteristik und dem Maßstab der erhaltenen „klassizistischen Gebäude“ am Richard-Wagner-Platz. Der südliche Bereich wiederum orientiert sich an der Struktur der gründerzeitlichen Bauten am Dittrichring. Die Bestandsbauten aus der DDR-Zeit werden adaptiert und durch An- und Umbauten so überformt, dass diese im neuen städtebaulichen Gesamtkonzept aufgehen. Einzelne Bereiche sollen dabei zur „Zeitzeugenschaft“ sichtbar und als Zeitschicht erkennbar bleiben. Zwischen den neuen Blöcken bilden sich vielfältige, öffentliche Räume, die dem Charakter eines „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ entsprechen.
Nutzungsanordnung
Im Erdgeschoss und den unteren Geschossen befinden sich überwiegend „öffentliche und ergänzende Nutzungen“, die einen direkten Bezug zu den Freiräumen haben können. Das geplante Archivgebäude liegt mit zwei Untergeschossen unter dem neuen „Forums-Platz“. Nur die neuen Büroflächen werden in einem Neubau untergebracht, der an den so genannten „Saalbau“ anschließt. Dieser Baukörper bildet am Forums-Platz die sichtbare, oberirdische Präsenz des Archivs und definiert den Abschluss zu den Bestandsbauten des Forums. Um ein lebendiges Stadtquartier zu gewährleisten, werden 35% der Nutzflächen für Wohnen vorgesehen.
In einer horizontalen und vertikalen Schichtung sind in den oberen Geschossen – kombiniert mit Terrassen und nutzbaren Dachbereichen – Wohnungen angeordnet. Ausgenommen davon ist nur das oberirdische Gebäude des Archivs.
Umgang mit dem Bestand
Bestandsgebäude stellen zum einen eine wertvolle Ressource (Graue Energie) dar und sind zum anderen Ausdruck bestimmter Zeitschichten. Wir plädieren für eine weitestgehende Erhaltung und Adaption. Die Potentiale der vorhandenen Gebäude sollen genutzt und in das neue Quartier integriert werden. Gestalterische und technische Aufwertungen sind gegebenenfalls erforderlich. Durch eine Strategie der Ergänzungen und Überformungen entstehen neue Qualitäten. Zur Verbesserung einzelner Situationen und räumlicher Qualitäten kann auch ein partieller Rückbau erforderlich sein.
Freiräume und Grün
Die öffentlichen Freiräume sind ein wichtiger Bestandteil des geplanten neuen Stadtquartiers und sollen mit ihren Qualitäten den heutigen Erfordernissen an ein klimagerechtes Bauen entsprechen. Sie werden für unterschiedliche Nutzungen und Zielgruppen gestaltet. Insgesamt sollen – insbesondere die öffentlichen Freiräume – den offenen und „grünen Charakter“ des Quartiers als „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ unterstützen und stärken. Ökologischen Aspekten, wie Versickerungsfähigkeit und einem geringen Versiegelungsgrad wird ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die Begrünung erfolgt sowohl unter gestalterischen wie auch ökologischen Aspekten. Dach- und Terrassenflächen werden weitestgehend begrünt und nutzbar gestaltet.
Erschließung und Mobilität
Das Quartier wird autofrei konzipiert. Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang. Damit wird eine hohe Aufenthaltsqualität auf Straßen und Plätzen möglich. Die öffentlichen Räume lassen sich flexibel nutzen. Ein System von Durchgängen und Passagen schafft eine hohe Durchlässigkeit und verbindet sich mit bestehenden Wegen. Anlieferung und Entsorgung sind selbstverständlich möglich, wie auch die Erreichbarkeit durch Rettungsfahrzeuge. Flächen für den ruhenden Verkehr werden oberirdisch nur für Behindertenstellplätze vorgesehen. Gegebenenfalls kann im nördlichen Bereich – unter den geplanten Neubauten – eine Tiefgarage angeordnet werden. Ein differenziertes Mobilitätskonzept für das Quartier ist zwingender Bestandteil der Entwicklung.
Integration in die Innenstadt
Das neue Quartier ist durch die strahlenförmigen in Ost-West-Richtung verlaufenden Gassen und Plätze hervorragend mit den umliegenden Stadträumen vernetzt. An der stadträumlich dichten Situation an der „Große Fleischergasse“ wird ein Entréeplatz formuliert, von dem aus sich Wege- und Sichtbeziehungen bis zum Grüngürtel des Ringes entwickeln. Andererseits wird hier auch an Passagen und Verbindungen, die in die Innenstadt führen, angeknüpft.